| Ann Swanson |

Die Anatomie der Yoga-Haltungen

– Tolle Grafiken zu über 30 Hatha Yoga Haltungen –

Yoga verstehen Fotomontage

In meiner Yogalehrerausbildung im Jahr 2017 erfuhr ich, dass es über 700.000 verschiedene Yogaübungen gibt, was mich damals sehr in Staunen versetzte. Die Gheranda Samhita spricht von sagenhaften 8,4 Millionen Asanas, nennt davon 84 als besonders wichtig und beschreibt 32 Haltungen, die für Menschen besonders geeignet seien. Im modernen Hatha Yoga gibt es dagegen nur mehrere hundert gebräuchliche Asanas. Zählt man Varianten, unterschiedliche Arm- und Beinstellungen, Hilfsmittel und Übergänge dazu, kommt man problemlos auf mehre Tausend Varianten.
Viele neue Varianten von Asanas, teilweise auch aus der PhysioTherapie stammend, lernte ich in den GesundheitsYoga und PhysioYoga Weiterbildungen.
Im Buch „Yoga Anatomie 3D“ von Ray Long aus dem Jahr 2015 konnte ich sehr gut nachschlagen, welche Muskeln in welcher Asanas gekräftigt werden.

In dem nun rezensierten Buch Yoga verstehen sind „angespannte“, „angespannte und gedehnte“ sowie nur „gedehnte“ Muskeln eingezeichnet. Dieses Buch zeigt, warum wir eine Bewegung ausführen und welche Strukturen dabei beteiligt sind. Dieses Wissen kann helfen, Asanas bewusster auszuführen, besser an den eigenen Körper anzupassen und auch im Yogaunterricht sinnvoller einzusetzen.

Verlagsbeschreibung & Autorenportrait

Buch Details

Buchtitel: Yoga verstehen
Untertitel: Die Anatomie der Yoga Haltungen
Autor: Ann Swanson
Genre: Yoga, Anatomie
Erscheinungsdatum: 30.12.2024
Aktualisierte und erweiterte Neuauflage
Bindung: Softcover
Seiten: 240
Format: 20,3×2,2×23,8 cm
Verlag: DK Verlag Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-5027-7
Preis: € 24,–

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Yoga verstehen von Ann Swanson

Rezension

Was macht eigentlich der Gluteus medius, während wir im Krieger III verzweifelt versuchen, nicht nach links umzufallen? Welche Muskeln arbeiten im herabschauenden Hund? Was wird gedehnt, was angespannt – und kann ein Muskel gleichzeitig gedehnt und angespannt sein?

Ja, kann er.

Und genau an diesem Punkt wird Yoga verstehen – Die Anatomie der Yoga-Haltungen von Ann Swanson interessant.

Denn bei einer normalen Yogastunde sehen wir zunächst einmal Arme, Beine, Rücken und vielleicht noch das leicht angestrengte Gesicht des Menschen neben uns. Ann Swanson macht den Körper dagegen praktisch durchsichtig und zeigt, was unter der Yogahose passiert.

Keine Sorge: rein anatomisch.

Das Buch gehört für mich zu jenen Yogabüchern, die man nicht unbedingt von Seite 1 bis Seite 240 in einem Zug liest. Es ist vielmehr ein Buch zum Anschauen, Nachschlagen, Staunen und immer wieder Hervorholen.

Und gerade für Yogalehrer ist das ausgesprochen praktisch.

Die aktuelle deutschsprachige Ausgabe wurde überarbeitet und erweitert. Sie erschien Ende 2024 bei Dorling Kindersley und umfasst 240 Seiten mit zahlreichen farbigen anatomischen Illustrationen. Mehr als 30 Yoga-Haltungen werden ausführlich dargestellt.

Zuerst müssen wir unseren Körper kennenlernen

Bevor wir uns auf die Yogamatte werfen, bekommen wir im ersten Teil des Buches eine kleine Anatomieausbildung.

Behandelt werden unter anderem:

  • Skelettsystem
  • Muskulatur
  • Nervensystem
  • Hormonsystem
  • Atmung
  • Herz-Kreislauf-System
  • Lymphsystem
  • Verdauung
  • Harnsystem
  • Fortpflanzungssystem

Das unterscheidet Yoga verstehen bereits von vielen anderen Yoga-Anatomiebüchern. Denn Yoga besteht nicht nur aus Muskeln.

Natürlich sind Quadrizeps, Psoas, Trapezmuskel und Rotatorenmanschette wichtig. Aber Yoga wirkt auch auf Atmung, Kreislauf, Nervensystem und unsere psychische Regulation.

Ann Swanson versucht deshalb, den Körper als zusammenhängendes System darzustellen.

Die Anatomieabschnitte sind allerdings keine Ausbildung zum Physiotherapeuten im Schnellverfahren. Dafür sind sie zu kurz.

Wer eine ausführliche medizinische Anatomielehre sucht, benötigt ein anderes Buch – und vermutlich einen sehr stabilen Schreibtisch, denn medizinische Anatomieatlanten sind selten für die Handtasche gedacht.

Für Yogis reichen diese Grundlagen jedoch erstaunlich weit.

Jetzt werden die Yoginis und Yogis durchsichtig

Der eigentliche Star des Buches sind für mich eindeutig die anatomischen Darstellungen der Asanas.

Die Auswahl deckt damit viele Klassiker einer normalen Hatha- oder Vinyasa-Yogastunde ab.

Bei jeder Haltung können wir praktisch in den Menschen hineinsehen.

Die wichtigen Muskeln, Gelenke und Knochen werden beschriftet. Besonders gelungen finde ich die farbliche Kennzeichnung der Muskulatur.

Man erkennt auf einen Blick:

Welche Muskeln arbeiten?
Welche Muskeln werden gedehnt?
Und welche Muskeln arbeiten, obwohl sie sich gleichzeitig in einer verlängerten Position befinden?

Genau diese Darstellung macht das Buch für Yogalehrer besonders wertvoll. Die unterschiedlichen Muskelzustände werden farblich voneinander unterschieden und die Asanas aus mehreren Perspektiven dargestellt.

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit.

Ist es aber nicht.

Denn dadurch versteht man plötzlich, warum sich eine Yogaübung an einer bestimmten Körperstelle so anfühlt, wie sie sich eben anfühlt.

Oder warum sie sich manchmal überhaupt nicht dort anfühlt, wo sie laut Yogalehrer angeblich wirken sollte.

Dann lohnt sich ein Blick ins Buch.

Vielleicht arbeitet gerade jemand anders.

Heldenhaltung bzw. Krieger II wird zum Anatomieunterricht

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Nehmen wir beispielsweise die Krieger Haltung Nr. 2 (heißt in Hatha Yoga so – übersetzt aus Virabhadrasana), wird im GesundheitsYoga aber auch als Heldenhaltung II (oder nur „Held 2“) bezeichnet.

Von außen sieht die Sache relativ überschaubar aus:

Ein Bein vorne gebeugt, das andere hinten gestreckt, Arme auseinander und möglichst heldenhaft schauen.

Unter der Haut ist allerdings deutlich mehr los.

Hüftmuskulatur stabilisiert. Der Quadrizeps arbeitet. Muskeln rund um Becken, Knie und Sprunggelenk müssen miteinander kooperieren. Rumpf und Wirbelsäule stabilisieren die Position und die Schultermuskulatur hält die Arme.

Aus einer einfachen Yogaübung wird plötzlich ein kleines Orchester.

Und wer schon einmal den Held II mehrere Minuten gehalten hat, weiß:

Irgendwann spielt das Orchester ziemlich laut.

Genau dieses Verständnis finde ich für GesundheitsYoga enorm wichtig.

Ausrichtung, Varianten und Sicherheit

Sehr positiv finde ich, dass Ann Swanson auch Ausrichtung, Varianten und Sicherheit berücksichtigt.

Eine Asana muss nicht bei jedem Menschen gleich aussehen.

Das ist eine wichtige Erkenntnis, insbesondere wenn Yoga gesundheitsorientiert unterrichtet wird.

Menschen unterscheiden sich anatomisch. Beweglichkeit, Gelenkformen, Alter, frühere Verletzungen und Kraft unterscheiden sich ebenfalls.

Das perfekte Instagram-Dreieck existiert deshalb anatomisch gesehen überhaupt nicht.

Zumindest nicht für alle.

Ann Swanson weist bei den Übungen auf Modifikationen und Varianten hin und beschäftigt sich auch damit, wie Übungen sicherer praktiziert werden können. Zusätzlich enthält das Buch Vorsichtshinweise.

Das gefällt mir.

Denn Yoga soll den Körper nicht passend zur Asana machen.

Die Asana sollte zum Menschen passen.

Was passiert mit Nervensystem und Atmung?

Besonders spannend finde ich, dass das Buch nicht beim Bewegungsapparat stehen bleibt.

Es geht auch darum, was Yoga beispielsweise mit unserem Nervensystem, Gehirn, Atemsystem, Kreislauf, Hormonsystem und Verdauung macht.

Das ist gerade für GesundheitsYoga wichtig.

Wenn Menschen Yoga wegen Stress, Rückenschmerzen, Schlafproblemen oder zur Entspannung besuchen, reicht die Erklärung „wir dehnen jetzt den hinteren Oberschenkel“ einfach nicht aus.

Unser Körper ist keine Ansammlung einzelner Muskeln.

Das Nervensystem entscheidet beispielsweise ganz wesentlich darüber, wie wir Spannung wahrnehmen, wie wir Schmerz verarbeiten und ob unser Körper eher auf Alarm oder Regeneration eingestellt ist.

Das Buch versucht, diese größeren Zusammenhänge verständlich darzustellen.

Und plötzlich wird aus Yoga mehr als Stretching mit Sanskritnamen.

Verletzungsgefahr in Yoga

Wie in den meisten guten neueren Büchern gibt es auch „Vorsichtshinweise“ – so wie jede Bewegungsart kann auch Yoga zu Verletzungen führen. Vom Schreibtisch gleich in eine Hatha Yoga Stunde mit dutzenden Sonnengrüßen, herabschauenden Hunden kann auch gesundheitliche Schäden verursachen. Auf den Seiten 224 bis 227 schreibt die Autorin über verschiedene Krankheiten und welche Positionen zu vermeiden sind. Beispielsweise ist die beliebten Umkehrhaltungen (Vorwärtsbeuge im Stehen, herabschauender Hund, Schulterstand etc. aber auch Kapalabhati) bei Grüner Star, hohen Blutdruck, Migräne, Parkinson, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Schwindel, neurologische Erkrankungen nicht oder nur sehr achtsam ausgeübt werden.

Mein Fazit Yoga vstehen von Ann Swanson

Meine Bewertung

Buchrezension 7 Yogis

Vielleicht sogar 6,5 Yogis, wenn man nach dem Lesen wirklich mit dem Krafttraining beginnt. Denn Bücher lesen ist gut. Aber Muskeln wachsen leider nicht durch Lesezeichen. Sonst hätte ich schon Oberschenkel wie ein Baumstamm.

Bewertungsyogis

7 Yogis: ausgezeichnetes Buch, echt klasse!
6 Yogis: sehr gutes Buch!
5 Yogis: wirklich gutes Buch!
4 Yogis: lesenswert, muss aber nicht sein!
3 Yogis: durchschnittliches Buch
2 Yogis: leider umsonst gelesen
1 Yogi: furchbares Buch


Yoga verstehen Fragen

Ist „Yoga verstehen“ von Ann Swanson empfehlenswert?

Ja. „Yoga verstehen – Die Anatomie der Yoga-Haltungen“ gehört zu den besonders anschaulichen Büchern über Yoga-Anatomie. Ann Swanson zeigt anhand detaillierter Illustrationen, welche Muskeln bei verschiedenen Asanas arbeiten, welche gedehnt werden und wie Gelenke und andere Körpersysteme beteiligt sind. Besonders empfehlenswert ist das Buch für Yogalehrer, Menschen in einer Yogalehrerausbildung und anatomisch interessierte Yogis.

Für wen eignet sich „Yoga verstehen“ von Ann Swanson?

Das Buch eignet sich besonders für Yogalehrerinnen und Yogalehrer, Teilnehmer einer Yogalehrerausbildung sowie fortgeschrittene Yogis. Aber auch interessierte Anfänger können damit besser verstehen, was bei einer Yogaübung im Körper passiert. Anatomische Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich.

Werden in „Yoga verstehen“ die Muskeln bei den Yogaübungen dargestellt?

Ja. Eine der großen Stärken des Buches sind die anatomischen Illustrationen der Yoga-Haltungen. Muskeln, Knochen und Gelenke werden sichtbar gemacht und beschriftet. Durch unterschiedliche Farben lässt sich erkennen, welche Muskeln arbeiten, welche gedehnt werden und welche während einer Haltung sowohl verlängert als auch aktiviert sind.

Welche Yogaübungen werden in „Yoga verstehen“ erklärt?

Ann Swanson untersucht mehr als 30 bekannte Yoga-Asanas. Dazu gehören unter anderem der herabschauende Hund, Krieger II und III, Baum, Dreieck, Taube, Kobra, Krähe, Brücke, Rad, Schulterstand, Kopfstand sowie verschiedene Sitzhaltungen und Vorbeugen.

Ist „Yoga verstehen“ ein gutes Anatomiebuch für Yogalehrer?

Ja. Gerade für Yogalehrer ist das Buch ein hilfreiches Nachschlagewerk. Bei der Vorbereitung einer Yogastunde lässt sich schnell überprüfen, welche Muskeln und Gelenke bei einer Asana beteiligt sind. Dadurch können Übungen besser erklärt, angepasst und anatomisch sinnvoll eingesetzt werden.

Ist „Yoga verstehen“ für Yoga-Anfänger geeignet?

Auch Anfänger können das Buch gut verwenden, wenn sie sich für die körperlichen Zusammenhänge beim Yoga interessieren. Wer allerdings hauptsächlich Yoga anhand fertiger Übungsfolgen lernen möchte, sollte zusätzlich ein klassisches Praxisbuch oder einen Yogakurs nutzen.

Geht es in dem Buch nur um Muskeln und Gelenke?

Nein. Neben Muskeln, Knochen und Gelenken behandelt Ann Swanson unter anderem das Nervensystem, die Atmung, das Herz-Kreislauf-System, das Hormonsystem und die Verdauung. Dadurch wird deutlich, dass Yoga weit mehr ist als Dehnen und Kräftigen.

Kann „Yoga verstehen“ eine Yogalehrer- oder Physiotherapie-Ausbildung ersetzen?

Nein. Das Buch vermittelt anatomisches und physiologisches Wissen sehr anschaulich, ersetzt aber weder eine medizinische oder physiotherapeutische Ausbildung noch eine fundierte Yogalehrerausbildung. Es eignet sich vor allem als Nachschlagewerk und Ergänzung.

Was ist das Besondere an „Yoga verstehen“ von Ann Swanson?

Das Besondere ist die Verbindung von Yoga, moderner Anatomie und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Yogaübungen werden nicht nur äußerlich gezeigt. Der Leser kann bildlich in den Körper hineinsehen und nachvollziehen, welche anatomischen Strukturen bei einer Asana beteiligt sind.

Lohnt sich „Yoga verstehen“ für Yogalehrer?

Aus meiner Sicht eindeutig ja. Wer Yoga unterrichtet und seinen Teilnehmern nicht nur sagen möchte, wie eine Haltung aussieht, sondern auch erklären möchte, warum und wo sie wirkt, findet in „Yoga verstehen“ ein sehr hilfreiches Werkzeug für die Unterrichtsvorbereitung.

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