– Immun gegen toxische Menschen –

Lisa Irani und Anna Eckert

immun gegen toxische mengen beitragsbild

– Psychologische Tools gegen Narzissten, Energievampire und andere Seelen-Staubfänger –

Als Yogalehrer begegnet man toxischen Menschen in den Yogakursen zum Glück eher selten. Vielleicht liegt es an der friedlichen Atmosphäre, vielleicht auch daran, dass Manipulation in der Kindhaltung einfach nicht besonders souverän aussieht.

Trotzdem ist das Thema spannend und wichtig. Denn auch ich hatte in der Vergangenheit mit narzisstischen Persönlichkeiten und Menschen zu tun, deren Nähe mir nicht guttat. Erfahrungen, die man nicht unbedingt sucht – aus denen man aber viel über Grenzen, Selbstschutz und innere Klarheit lernen kann.

Toxische Menschen. Schon das Wort klingt ein bisschen so, als müsste man nach dem Familienfest nicht nur die Tischdecke waschen, sondern auch gleich die Aura in die Kochwäsche geben.

Lisa Irani und Anna Eckert widmen sich in ihrem GU-Ratgeber „Immun gegen toxische Menschen“ genau diesen Beziehungen, die uns nicht stärken, sondern auslaugen. Gemeint sind Partnerschaften, Freundschaften, Familienbindungen, Kolleg:innen oder Vorgesetzte, bei denen Drohungen, Abwertungen, Lügen, Kontrolle oder Manipulation nicht die Ausnahme, sondern irgendwann der tägliche Beziehungstee werden. Nur leider ohne Kamille.

Der Verlag beschreibt das Ziel des Buches sehr treffend: Es soll helfen, dysfunktionale Beziehungen zu erkennen, Manipulation zu durchschauen, Grenzen zu setzen und ein „psychologisches Immunsystem“ aufzubauen.
Als Gesundheitsyogalehrer denke ich da natürlich sofort: Aha, also kein Vitamin C gegen Schnupfen, sondern ein innerer Schutzschild gegen emotionale Dauererkältung.

Klappentext und Autorenbiographie

Buch: „Immun gegen toxische Menschen“

Untertitel: Psychologische Tools für den Umgang mit Narzissten und anderen Leuten, die dir nicht guttun
Autor: Lisa Irani und Anna Eckert
Genre: Psychologie, Lebenshilfe
Verlag: G|U Verlag
Erscheinungstermin: 4. Juni 2024
Bindung: Softcover
Seiten: 288
Format: 13,6 × 2,5 x 20,85 cm
ISBN: ‎ 978-3833892660
Lesespaß: Etwas „grau“ gehalten, angenehme Schriftart und Fontgröße

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immun gegen toxische menschen

Rezension

Das Buch betrachtet toxische Dynamiken nicht nur in Liebesbeziehungen. Das gefällt mir. Denn der toxische Mensch lauert nicht ausschließlich auf Datingplattformen, mit Rosenstrauß in der einen und Red Flag in der anderen Hand. Er oder sie kann auch im Büro sitzen, am Familientisch, im Freundeskreis oder im Vereinsvorstand, wo die passiv-aggressive Bemerkung manchmal schneller kommt als der Kaffee.

Die Leseprobe spricht davon, dass toxische Beziehungen durch Manipulation, Kontrolle, Unsicherheit, ungelöste Konflikte und mangelnde Unterstützung geprägt sein können. Solche Beziehungen können in Partnerschaften, Freundschaften, am Arbeitsplatz oder innerhalb der Familie auftreten.

Ein schöner Gedanke des Buches ist die Metapher vom psychischen Immunsystem. So wie der Körper mit Viren und Bakterien umgehen muss, braucht auch die Psyche Abwehrkräfte gegen Dauerabwertung, Gaslighting, emotionale Erpressung und Grenzüberschreitungen. Das Bild ist eingängig. Jeder versteht sofort: Wenn ich ständig in einer „emotionalen Grippewelle“ lebe, darf ich mich nicht wundern, wenn ich irgendwann erschöpft, gereizt oder kraftlos bin.

Narzissmus: nicht jeder Nervensäger ist gleich ein Narzisst

Ein wichtiger Schwerpunkt des Buches ist Narzissmus. Das ist aktuell ein Modewort. Kaum lässt jemand die Spülmaschine falsch einräumen, heißt es schon: „Der ist bestimmt narzisstisch.“ Früher sagte man vielleicht „schwierig“, heute wird schneller diagnostiziert als beim Hausarzt am Montagmorgen.

Hier ist es angenehm, wenn Psychologinnen schreiben. Lisa Irani ist Psychologin mit klinisch-psychologischem Hintergrund; Anna Eckert ist Psychologin und Beziehungs-Coach. Beide sind auch mit dem Podcast „Cute aber Psycho“ bekannt. Die Autorinnenprofile in der Leseprobe nennen bei Irani unter anderem Mental-Health-Expertise und psychotherapeutische Weiterbildung, bei Eckert psychologische Expertise, Beziehungscoaching und Schwerpunkte wie toxische Beziehungen, Burn-out und Persönlichkeitsstörungen.

Das ist wichtig, weil ein Buch über toxische Menschen schnell in zwei Fallen tappen kann. Falle eins: Alle anderen sind schuld. Falle zwei: Jede unangenehme Person bekommt ein Etikett auf die Stirn geklebt. Das wäre psychologisch ungefähr so feinfühlig wie Kräutertee mit dem Laubbläser zubereiten.

Der stärkere Ansatz ist: Muster erkennen, eigene Anteile reflektieren, Grenzen setzen, Sicherheit herstellen und nicht in Hobby-Diagnosen versinken.

Teil 1: „TOXISCHE BEZIEHUNGEN“

Im ersten von drei Teilen von „Immun gegen toxische Menschen“ führen Lisa Irani und Anna Eckert in die Welt toxischer Beziehungsmuster ein. Sie beschreiben, wie wichtig zwischenmenschliche Beziehungen für unser Selbstbild, unser Wohlbefinden und unsere psychische Stabilität sind. Gesunde Beziehungen können stärken, nähren und zum Aufblühen bringen. Toxische Beziehungen hingegen wirken schleichend zerstörerisch: Was anfangs vielleicht harmonisch, intensiv oder vielversprechend erscheint, kann sich nach und nach in ein Labyrinth aus Unsicherheit, Abwertung und emotionaler Erschöpfung verwandeln.

Die Autorinnen verwenden dabei das Bild eines psychischen Immunsystems, das durch „Psychotoxine“ belastet wird. Gemeint sind Menschen oder Beziehungsmuster, die durch Manipulation, Kontrolle, Kritik, emotionale Gewalt, Grenzüberschreitungen oder fehlende Unterstützung das innere Gleichgewicht schwächen. Besonders tückisch ist, dass diese Dynamiken selten plötzlich auftreten. Oft beginnen sie mit kleinen Bemerkungen, scheinbar harmlosen Gesten oder wiederkehrenden Konflikten, die zunächst als Ausnahme abgetan werden. Mit der Zeit werden sie jedoch zur Normalität und führen bei Betroffenen zu Selbstzweifeln, Erschöpfung und einem geschwächten Selbstwertgefühl.

Das Kapitel macht deutlich, dass toxische Beziehungen nicht nur in Partnerschaften vorkommen. Sie können ebenso in Freundschaften, Familien, Eltern-Kind-Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Studium entstehen. Häufig treffen dabei empathische, verständnisvolle oder eher unterwürfige Menschen auf dominante oder narzisstisch geprägte Persönlichkeiten. Warum Betroffene dennoch bleiben, erklären die Autorinnen mit Gewohnheit, Hoffnung, Angst und vertrauten Mustern aus früheren Erfahrungen.

Ein zentraler Gedanke des Kapitels lautet: Der erste Schritt zur Veränderung ist das Erkennen. Wer toxische Muster durchschaut, kann beginnen, Grenzen zu setzen, sich selbst wieder ernst zu nehmen und den Weg aus schädlichen Verstrickungen zu suchen. Loslassen wird dabei nicht als Niederlage verstanden, sondern als Akt von Selbstschutz, Selbstliebe und persönlicher Entfaltung.

Teil 2 „Psychotoxische Menschen“

Im zweiten Teil von „Immun gegen toxische Menschen“ richten Lisa Irani und Anna Eckert den Blick auf die Menschen hinter toxischen Beziehungsmustern. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem das Thema Narzissmus: Wie entsteht narzisstisches Verhalten, woran lässt es sich erkennen und warum kann es für das Umfeld so verletzend und verwirrend sein? Der Abschnitt macht deutlich, dass psychotoxische Menschen nicht einfach nur „schwierig“ oder anstrengend sind. Problematisch wird es dort, wo wiederholt manipuliert, abgewertet, kontrolliert oder emotional Druck ausgeübt wird. Der Verlag beschreibt, dass das Buch vorrangig Narzissmus behandelt, aber auch andere Persönlichkeitsstrukturen berücksichtigt, die toxische Beziehungsdynamiken begünstigen können.

Besonders spannend ist die Frage, warum solche Menschen oft zunächst anziehend wirken. Charme, Aufmerksamkeit und scheinbare Nähe können dazu führen, dass man Warnsignale übersieht. Erst später zeigen sich Muster wie Schuldumkehr, fehlende Empathie, übersteigerter Anspruch, Kränkbarkeit oder das Bedürfnis, andere kleinzuhalten. Die Autorinnen erklären diese Dynamiken sachlich und ohne vorschnelle Verurteilung. Es geht nicht darum, jedem unangenehmen Menschen ein Etikett aufzukleben, sondern gefährliche Muster besser zu verstehen.

Der zweite Teil hilft somit, psychotoxisches Verhalten klarer einzuordnen. Wer erkennt, wie Manipulation funktioniert, verliert leichter den inneren Nebel, in dem man sich selbst ständig hinterfragt. Damit bereitet dieser Abschnitt den Boden für den nächsten wichtigen Schritt: sich nicht länger in Schuldgefühlen, Hoffnung oder Gewohnheit gefangen halten zu lassen, sondern die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und gesunde Grenzen zu entwickeln.

Teil 3: Immunität gegen toxische Menschen

Im letzten Kapitel von „Immun gegen toxische Menschen“ geht es darum, aus dem reinen Erkennen toxischer Dynamiken in die eigene Handlungsfähigkeit zu kommen. Lisa Irani und Anna Eckert zeigen, wie man ein stabiles psychologisches Immunsystem aufbaut, um sich nicht länger von manipulativen, abwertenden oder übergriffigen Menschen bestimmen zu lassen. Im Mittelpunkt steht dabei die Rückgewinnung der eigenen Selbstbestimmung: Wer kontrolliert meine Stimmung? Wem gebe ich Macht über mein Wohlbefinden? Und wo rutsche ich vielleicht selbst in eine Opferrolle, statt aktiv neue Lösungen zu suchen?

Ein wichtiger Gedanke des Kapitels ist der Perspektivwechsel. Nicht jede unangenehme Begegnung muss sofort als toxisch bewertet werden. Manchmal hilft es, Abstand zu nehmen, die Situation anders zu betrachten und dadurch weniger hilflos zu reagieren. Gleichzeitig betonen die Autorinnen, dass echtes Grenzensetzen unverzichtbar ist. Besonders praxisnah ist die Übung „Die Kraft des Neins“: Die Leser:innen sollen eigene Bedürfnisse erkennen, Körpersignale ernst nehmen und lernen, freundlich, aber klar Nein zu sagen – ohne lange Rechtfertigungen oder entschuldigende Umwege.

Das Kapitel macht Mut, nicht länger aus Höflichkeit, Angst oder Gewohnheit gegen die eigenen Grenzen zu handeln. Selbstschutz wird hier nicht als Egoismus verstanden, sondern als Ausdruck von Selbstwert. Wer lernt, bewusst Nein zu sagen, stärkt Schritt für Schritt das Vertrauen in sich selbst. Die zentrale Botschaft lautet: Immunität gegen toxische Menschen bedeutet nicht, hart oder misstrauisch zu werden. Sie bedeutet, klarer, souveräner und innerlich freier zu leben.

Für wen ist das Buch geeignet?

Für Menschen, die immer wieder anstrengende Beziehungen erleben.
Für Menschen, die nach Begegnungen mit bestimmten Personen regelmäßig erschöpft sind.
Für Menschen, die Grenzen setzen lernen möchten.
Für Menschen, die Narzissmus und Manipulation besser verstehen wollen.
Für Yogis, Therapeut:innen, Coaches und feinfühlige Menschen, die manchmal zu lange „Om“ sagen, obwohl innerlich längst „Stopp!“ dran wäre.

Mein Fazit zum „Toxisch-Immunsystem-Ratgeber“

„Immun gegen toxische Menschen“ ist ein hilfreicher psychologischer Ratgeber für alle, die ihre inneren Grenzen nicht länger als unverbindliche Empfehlung betrachten möchten. Lisa Irani und Anna Eckert verbinden Wissen über toxische Beziehungsmuster, Narzissmus und Selbstschutz mit praktischen Übungen. Die Metapher vom psychischen Immunsystem funktioniert gut: Man versteht sofort, worum es geht — nämlich nicht darum, hart, kalt oder misstrauisch zu werden, sondern widerstandsfähiger, klarer und liebevoller mit sich selbst.

Aus Yogasicht ist das Buch eine schöne Erinnerung: Wahre Achtsamkeit bedeutet nicht, alles freundlich weg zu atmen. Manchmal bedeutet Achtsamkeit, sehr ruhig zu sagen: „Nein, das tut mir nicht gut.“
Und dann nicht fünf Seiten Erklärung hinterherzuschicken.

Oder noch kürzer:
Einatmen.
Ausatmen.
Grenze setzen.
Tee trinken.
Nicht wieder reinziehen lassen.

Empfehlung: Lesen, reflektieren, nicht als Waffe gegen andere benutzen — sondern als Schutz für sich selbst. Denn psychologische Immunität heißt nicht: Ich lasse niemanden mehr an mich heran. Sie heißt: Ich erkenne schneller, wer mir wirklich guttut.Einkaufstaschen selbst tragen möchten.

Meine untoxische Bewertung

sehr gut

Vielleicht sogar 6,5 Yogis, wenn man nach dem Lesen wirklich mit dem Krafttraining beginnt. Denn Bücher lesen ist gut. Aber Muskeln wachsen leider nicht durch Lesezeichen. Sonst hätte ich schon Oberschenkel wie ein Baumstamm.

Bewertungsyogis

7 Yogis: ausgezeichnetes Buch, echt klasse!
6 Yogis: sehr gutes Buch!
5 Yogis: wirklich gutes Buch!
4 Yogis: lesenswert, muss aber nicht sein!
3 Yogis: durchschnittliches Buch
2 Yogis: leider umsonst gelesen
1 Yogi: furchbares Buch


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