– Es geht um FITTE MUSKELN, die unseren Stoffwechsel verjüngen –
Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing

Es sind nun schon einige Wochen vergangen, seit ich dieses Buch gelesen habe. Eine schnelle Rezension war diesmal leider nicht möglich, denn eine sehr schmerzhafte Schulterverletzung hat mich ordentlich ausgebremst.
Der rechte Arm musste pausieren — nicht nur beim Schreiben und bei der PC-Arbeit, sondern auch in meinen Yogakursen. Statt alles wie gewohnt vorzuzeigen, hieß es öfter: mehr ansagen, weniger vormachen. GesundheitsYoga im Radiomodus sozusagen.
In der laufenden Physiotherapie wird mir nun wieder deutlich bewusst, wie wichtig kräftige Muskeln sind. Besonders rund um die Schulter: die Muskeln der Rotatorenmanschette — Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis — aber auch Außenrotatoren, Trapezmuskel und Schulterblattmuskulatur. Sie alle helfen, das Schultergelenk zu stabilisieren und zu schützen.
Und genau deshalb passt „Reverse Aging“ von Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing gerade wunderbar. Das Buch erinnert daran, dass Muskeln nicht nur für Kraft und Optik wichtig sind, sondern für Gesundheit, Stoffwechsel, Stabilität und ein gutes Älterwerden.
Für mich als Yogalehrer gehört natürlich auch Beweglichkeit dazu: gut gedehnte, gesunde Faszien, Atem und Körperbewusstsein. Aber diese Schulterverletzung zeigt mir wieder einmal sehr deutlich: Beweglichkeit allein reicht nicht. Der Körper braucht auch Kraft.
Oder anders gesagt: Die Faszien dürfen geschmeidig sein — aber die Muskeln sollten bitte nicht nur dekorativ danebenliegen.
Das Foto ist eine Fotomontage 🙂

Klappentext kurz zusammengefasst
Buch: „Reverse Aging“
Buchtitel: Reverse Aging
Untertitel: Warum fitte Muskeln unseren Stoffwechsel verjüngen
Autor: Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing
Mit einem Vorwort von: Prof. Dr. Andreas Michalsen
Genre: Gesundheit, Fitness, Longevity, Muskeltraining, Prävention
Verlag: Kneipp Verlag Wien
Erscheinungstermin: 15. Dezember 2025
Bindung: Hardcover
Seiten: 208
Format: 13,5 × 21,5 cm
ISBN: 978-3-7088-0874-1
E-Book ISBN: 978-3-99040-824-7
Lesespaß: Gut verständlich, praxisnah, motivierend, ohne Fitness-Guru-Geschrei
Besonderheit: Ein Longevity-Buch, das nicht beim Schlaftracker beginnt, sondern beim Muskel
–> Buch bei Amazon bestellen

Rezension vom BUch „Reverse Aging“
Als Yogalehrer bin ich natürlich ein Freund von Beweglichkeit. Faszien lieben Bewegung. Gelenke lieben Bewegung. Der Geist liebt Bewegung manchmal weniger, besonders wenn die Couch gerade so schön ruft. Aber Yoga zeigt uns: Der Körper bleibt am liebsten lebendig, wenn er benutzt wird.
Trotzdem gibt es im Yoga eine kleine Falle. Viele Menschen denken: „Ich mache Yoga, also tue ich eh alles für meinen Körper.“
Ja. Fast.
Yoga kann sehr viel. Aber je nach Yogastil ist es nicht automatisch ein ausreichend starker Muskelreiz. Eine gemütliche Yin-Yoga-Einheit ist wunderbar für Entspannung, Faszien, Nervensystem und Hüftöffner. Aber der Bizeps wächst davon ungefähr so schnell wie ein Kaktus im Winter.
Und genau hier wird Gießings Buch interessant. Er erinnert daran, dass Muskeltraining nicht nur ein Thema für Bodybuilder ist. Im Gegenteil: Für ältere Menschen, Büroarbeiter, Yogis, Läufer, Spaziergänger, Gesundheitssuchende und „Ich-hab-keine-Zeit“-Menschen ist Muskeltraining ein entscheidender Baustein. Nicht für die Badehose. Fürs Leben.
Die stille Krise: Muskeln verschwinden leise
Das Tückische am Muskelabbau: Er kommt nicht mit Blaulicht.
Er klingelt nicht an der Tür und sagt: „Grüß Gott, ich bin die Sarkopenie, ich nehme jetzt bitte 18 Prozent Ihrer Oberschenkelmuskulatur mit.“ Nein, er kommt langsam. Erst wird der Einkauf schwerer. Dann die Treppe. Dann steht man aus dem Sessel auf und merkt: Früher war das eine Bewegung, heute ist es ein Projekt.
Gießing macht klar: Muskeln sind nicht Luxus. Sie sind Lebensversicherung. Wenn wir Kraft verlieren, verlieren wir nicht nur Sportlichkeit, sondern auch Unabhängigkeit. Und das ist der Punkt, an dem das Buch richtig wichtig wird.
Denn viele Menschen fürchten im Alter Krankheiten. Aber was sie im Alltag oft zuerst spüren, ist der Verlust an Selbstständigkeit. Die Wasserflasche wird schwer. Der Koffer wird zum Gegner. Das Aufstehen vom Boden wird zur Verhandlung mit der Schwerkraft. Und die Schwerkraft verhandelt bekanntlich hart.
HIT: Nicht HIIT, nicht Hektik, sondern hochintensiv
Ein wichtiger Punkt: HIT ist nicht dasselbe wie HIIT.
HIIT kennen viele aus Fitnessvideos: 30 Sekunden Hampelmann, 20 Sekunden Burpees, dann liegt man am Boden und sucht seine Ahnen. HIT bei Gießing meint Hochintensitätstraining im Krafttraining: kurze, konzentrierte Muskelarbeit mit hoher Anstrengung, kontrolliert ausgeführt, mit ausreichend Regeneration.
Das klingt zunächst nach Fitnessstudio. Muss es aber nicht ausschließlich sein. Entscheidend ist der Reiz: Der Muskel muss merken, dass er gebraucht wird. Und zwar nicht nur für das Halten der Kaffeetasse.
Besonders angenehm: Das Buch verkauft Training nicht als Vollzeitjob. Laut Verlag reicht Gießings Ansatz auf zwei Trainingseinheiten pro Woche hinaus. Das ist sympathisch. Denn viele Gesundheitsbücher tun so, als hätte der Leser täglich drei freie Vormittage, eine private Sauna, eine Köchin und einen Personal Trainer namens Sven.
Hier lautet die Botschaft eher:
Weniger herumturnen. Besser trainieren. Dranbleiben.
Das ist mir sympathisch. Auch weil es zu Yoga passt. Nicht jeder Reiz muss spektakulär aussehen. Oft zählt die saubere Ausführung. Die Aufmerksamkeit. Der Atem. Die Grenze. Und die Frage: Bin ich ehrlich in der Übung – oder mache ich nur Gymnastik mit spirituellem Gesichtsausdruck?
Muskeln und Stoffwechsel: Warum Krafttraining auch Ernährungsthema ist
Der Untertitel lautet: „Warum fitte Muskeln unseren Stoffwechsel verjüngen“. Das ist nicht nur ein hübscher Satz für den Buchdeckel.
Muskeln verbrauchen Energie. Sie speichern Glukose. Sie beeinflussen den Insulinstoffwechsel. Sie helfen, den Körper stabil und belastbar zu halten. Wer Muskeln aufbaut oder erhält, arbeitet also nicht nur an Armen und Beinen, sondern am ganzen System.
Das ist besonders spannend für Menschen, die beim Thema Gesundheit zuerst an Ernährung denken. Ernährung ist wichtig, keine Frage. Ich schreibe ja auch gern über gesunde Ernährung. Aber wenn der Körper keine kräftige Muskulatur mehr hat, fehlt ein wichtiger Partner im Stoffwechselorchester.
Oder anders gesagt:
Der Salat ist gut.
Aber der Salat hebt nicht deine Einkaufstaschen.
Protein: Das Baustoff Thema
Gießing betont laut Buchbeschreibung auch proteinreiche Ernährung. Das wird nicht jedem gefallen, besonders nicht allen, die noch mit der alten Angst leben: „Zu viel Eiweiß ist gefährlich.“ Natürlich sollte man individuelle Erkrankungen ärztlich abklären, besonders Nierenerkrankungen. Aber für viele gesunde Menschen ist ausreichend Eiweiß im Alter ein großes Thema.
Denn Muskeln entstehen nicht aus gutem Willen.
Auch nicht aus Räucherstäbchen.
Und leider auch nicht aus der bloßen Betrachtung einer Yogamatte.
Der Körper braucht Baustoffe. Protein liefert Aminosäuren. Wer trainiert und zu wenig Eiweiß isst, ist wie jemand, der ein Haus bauen will, aber nur Räucherkegel und Fencheltee auf die Baustelle bringt.
Für vegetarisch oder vegan lebende Menschen ist das besonders interessant. Es geht, aber man muss bewusster planen. Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, Sojajoghurt, Linsen, Bohnen, Erbsenprotein, Nüsse, Samen, Vollkorn — alles möglich. Aber „eh irgendwie gesund essen“ reicht nicht immer, wenn Muskelerhalt das Ziel ist.
Kreatin für alle
Kreatin hat immer noch ein Imageproblem. Viele denken dabei an Bodybuilder, riesige Plastikdosen und Menschen, die im Fitnessstudio Geräusche machen, als würden sie einen Traktor starten.
Dabei ist Kreatin eine körpereigene Substanz, die mit schneller Energiebereitstellung in den Muskeln zu tun hat. Gießing rückt Kreatin im Buch laut Verlag als dritte Maßnahme neben Training und Protein in den Fokus.
Ich finde das interessant, weil Kreatin in der Longevity-Diskussion tatsächlich immer öfter auftaucht. Natürlich gilt auch hier: Nicht blind alles einwerfen, nur weil es gerade modern ist. Wer Medikamente nimmt, Nierenthemen hat oder unsicher ist, fragt Arzt oder Ärztin. Aber Kreatin ist nicht automatisch „Bodybuilding-Chemie“. Es ist ein seriös diskutierter Stoff mit praktischer Bedeutung für Muskelenergie.
Für viele Leserinnen und Leser könnte dieses Kapitel ein Aha-Erlebnis sein.
So nach dem Motto: „Ach so, das ist gar kein Zauberpulver aus der Muckibude, sondern ziemlich gut erforscht?“
Ja. Genau darum lohnt sich ein nüchterner Blick.
Mein Fazit zu „Reverse Aging“
„Reverse Aging“ ist ein wichtiges Buch, weil es ein Thema in den Mittelpunkt stellt, das im Gesundheitsbereich oft unterschätzt wird: Muskelkraft als Voraussetzung für gesundes Altern.
Viele Menschen beschäftigen sich mit Ernährung, Schlaf, Stressabbau und Entgiftung. Alles gut. Alles wichtig. Aber wer die Muskeln vergisst, lässt einen der wichtigsten Gesundheitshebel liegen. Und zwar nicht irgendwo, sondern direkt neben der Yogamatte.
Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing zeigt, dass Muskeltraining nicht kompliziert sein muss. Kurz, intensiv, regelmäßig und gut dosiert. Dazu ausreichend Protein und ein nüchterner Blick auf Kreatin. Das ist kein märchenhafter Jungbrunnen, aber vielleicht einer der praktischsten Wege, um länger stark, beweglich und selbstständig zu bleiben.
Für Yoginis und Yogis ist das Buch eine gute Erinnerung:
Nicht nur loslassen.
Auch aufbauen.
Nicht nur dehnen.
Auch kräftigen.
Nicht nur Om.
Auch Oberschenkel.
Ein sehr empfehlenswertes Gesundheitsbuch für alle, die nicht nur älter werden wollen, sondern dabei auch noch ihre Einkaufstaschen selbst tragen möchten.
Meine muskuläre Bewertung

Vielleicht sogar 6,5 Yogis, wenn man nach dem Lesen wirklich mit dem Krafttraining beginnt. Denn Bücher lesen ist gut. Aber Muskeln wachsen leider nicht durch Lesezeichen. Sonst hätte ich schon Oberschenkel wie ein Baumstamm.



Auch Buch.Yoga verwendet Cookies, allerdings nur funktionelle Kekse.