â Dr. Giulia Enders Buch âOrganischâ â

â Manchmal liest man ein Buch und hat das GefĂŒhl, der eigene Körper nickt leise mit. â âOrganischâ von Giulia Enders ist genau so ein Buch. Eine spannende Reise durch fĂŒnf Organe, auch die Muskeln sind mit dabei. Schon mal was von Titin gehört? GroĂes Thema derzeit in der Forschung und dank Dr. Enders verstehe ich nun die Verbindung von Titin als eingebauter Muskelfeder zu den verschiedenen Yoga Asanas. Mit TitinYoga spielend einfach Muskeln aufbauen. YinYoga und TitinYoga kombinieren in dem ausgesuchte YinYoga Asanas mit Muskelanspannung kombiniert wird.
Inhalt
Buchtitel: Organisch
Untertitel: Was es wirklich bedeutet, auf unseren Körper zu hören
Autor: Dr. Giulia Enders
Genre: Medizin, Wissenschaft
Erscheinungsdatum: 28. August 2025
Bindung: Hardcover
Seiten: 336 spannende Seiten
Handlichkeit: 14Ă3,3Ă21 cm
LesespaĂ: Schön, spannend, sogar mit BĂ€ndchen
Verlag: Ullstein
ISBN 13: â 978-3550201776
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Klappentext und Autorenportrait
Rezension von âOrganischâ
Ullstein beschreibt das Buch als Einladung, âdas Leben von innen herausâ zu verstehen und dem Körper mit mehr Achtsamkeit und Vertrauen zu begegnen.
Und genau so fĂŒhlt es sich an: Enders schreibt ĂŒber Organe nicht wie ĂŒber Ersatzteile, sondern wie ĂŒber Beziehungswesen. Deutschlandfunk Kultur bringt das schön auf den Punkt: Der Körper erscheint hier nicht als effiziente Maschine, sondern als etwas, das uns (sprachlich empathisch, teils poetisch) âetwas beibringenâ kann.
Sehr hilfreich fand ich auch den âroten Fadenâ, den Enders selbst im Interview erklĂ€rt: Diese fĂŒnf Themen stehen fĂŒr fĂŒnf grundlegende BedĂŒrfnisse â Sicherheit, Beziehung, Kraft, Selbstverwirklichung und die Basics (Atmen/Essen/Trinken/Schlaf).
Das ist ein cleverer Kunstgriff: Man liest nicht nur Biologie, man liest auch Leben.
Und wie immer â oder meistens â in meinen Buch.Yoga Rezensionen eine Reise durch die KapitelâŠ
Kapitel 1: Die Lunge â die stille Macht des Weichen
Das Lungenkapitel ist (laut mehreren Besprechungen) der Einstieg â und es ist ein starkes erstes Kapitel, weil es sofort einen Nerv trifft: Atmung. Und Dr. Giulia Enders empfiehlt auf mehreren Seiten yogische AtemĂŒbungen. Kann ich nur bestĂ€tigen.
Deutschlandfunk Kultur hebt einen Kernpunkt hervor: Atem verlangsamen und vertiefen kann Blutdruck und Stress senken â Enders nennt das sinngemÀà die âstille Macht des Weichenâ.
Das ist natĂŒrlich Musik in Yoga-Ohren. Nicht, weil wir damit âalles wegatmenâ können (das wĂ€re zu hĂŒbsch), sondern weil hier wissenschaftlich greifbar wird, was viele in Pranayama, GesundheitsYoga, Faszienkursen, Yin Yoga oder Savasana erleben: Der Körper reagiert auf Rhythmus und Weichheit.
Was mir am Lungenkapitel gefĂ€llt: Es ist nicht nur âAtme mal tief einâ. Es ist eher:
Verstehe, wie dein Körper Atmung als Signal liest â und warum Atem oft die schnellste BrĂŒcke in Richtung Regulation ist.
Yoga-Transfer:
- 3 Minuten ruhige Nasenatmung vor der Praxis (wie ein inneres âHallo Körperâ).
- LÀngeres Ausatmen als Mini-Reset, wenn du im Alltag merkst: zu viel Kopf, zu wenig Körper.
Kapitel 2: Immunsystem
Enders rÀumt im Immunsystem-Kapitel mit der beliebten Hollywood-Metapher auf: Immunsystem = kÀmpfende Armee. Stattdessen beschreibt sie es als komplexes, lernfÀhiges System, das viel mit Kooperation und Selbstkenntnis arbeitet.
Ich mochte diesen Perspektivwechsel sehr, weil er auch auf der Yogamatte funktioniert:
Wenn wir im Yoga nur âgegenâ etwas arbeiten â gegen Spannung, gegen Unruhe, gegen Schmerz â verlieren wir manchmal das, was eigentlich helfen wĂŒrde: Zuhören und kluges Dosieren.
Im DLF-Text wird als Beispiel erwĂ€hnt, dass Immunzellen nicht nur âFeindeâ bekĂ€mpfen, sondern auch tolerieren können, wenn das dem Gleichgewicht dient (z.B. das Dulden schlummernder Viren in Grenzen).
Das ist eine ziemlich organische Lektion: Nicht alles, was âdaâ ist, muss sofort âwegâ. Manche Dinge brauchen Rahmen, nicht Krieg.
Yoga-Transfer:
- Praxis als Dialog: Was ist heute mein Minimum, das gut tut?
- Und: Regeneration ist nicht âfaulâ, sondern immunologisch oft eine verdammt gute Idee.
Kapitel 3: Die Haut
Bei der Haut macht Enders etwas Spannendes: Sie reduziert sie nicht auf âBarriereâ, sondern verbindet sie mit einem modernen Problem: Wir leben zunehmend digital â und verlieren dabei Körperkontakt.
Deutschlandfunk Kultur erwĂ€hnt hier einen Punkt, der mich kurz innehalten lieĂ: Enders erinnert an die Macht der BerĂŒhrung â durch andere, aber auch durch eine Selbstumarmung, die aus Gedankenspiralen holen kann, weil sie uns in den Moment zurĂŒckbindet.
Das ist im Kern eine Meditationsidee â nur ohne RĂ€ucherstĂ€bchen-Zwang. (Obwohl⊠ich urteile nicht. đ)
Und ganz nebenbei: FĂŒr Yogalehrer*innen ist das ein wunderbares Kapitel, um ĂŒber sichere RĂ€ume, Grenzen, Selbstkontakt und Körperbild zu sprechen â ohne moralischen Zeigefinger.
Yoga-Transfer:
- Vor der Endentspannung: Hand aufs Herz oder auf den Bauch, 5 AtemzĂŒge lang â einfach spĂŒren, nicht âmachenâ.
- Nach stressigen Calls/Meetings: 20 Sekunden Selbstumarmung (ja, wirklich).
Kapitel 4: Die Muskeln
Hier rĂ€umt Enders mit einem riesigen MissverstĂ€ndnis auf: Entspannung ist kein passives Nichtstun, sondern Voraussetzung dafĂŒr, dass Leistung nachhaltig möglich ist.
Und ich musste beim Lesen direkt an das denken, was wir in jeder halbwegs ehrlichen Yogastunde erleben: Wenn man nur âziehtâ und âmachtâ, wirdâs irgendwann hart. Wenn man dosiert, atmet, loslĂ€sst, wirdâs plötzlich⊠effizienter. Organischer eben.
In einem Interview erklĂ€rt Enders sinngemĂ€Ă, dass sie durch die BeschĂ€ftigung mit Muskeln Leistung neu versteht: Manche Bewegungen brauchen Anstrengung, andere brauchen Schwung und Entspannung.
Das ist eine schöne Metapher fĂŒrs Leben: Nicht alles wird besser, wenn man âmehr drĂŒcktâ. Manches wird besser, wenn man klĂŒger nachgibt.
Titinyoga, das neue Yoga?
Das Spannendste an den Muskeln war fĂŒr mich die Titin-Neuentdeckung (Titin als gröĂtes Protein kannte man schon lĂ€nger, aber die Möglichkeiten in Bezug auf Muskelaufbau ist doch ziemlich neu). Titin ist nĂ€mlich so etwas wie die eingebaute Feder unserer Muskeln: ein gigantisches Strukturprotein, das im Sarkomer (der kleinsten Muskelfunktionseinheit) wie ein molekularer Gummizug arbeitet. Es sorgt dafĂŒr, dass Muskeln elastisch zurĂŒckfedern, wenn sie gedehnt werden, und trĂ€gt wesentlich zur passiven Spannung bei â also zu dem Widerstand, den du spĂŒrst, wenn du z. B. im Yin Yoga lange in einer Dehnung bleibst.
Und jetzt kommt der Yoga-Moment: Wenn Enders (in der Muskel-Perspektive) ĂŒber solche âinneren Federnâ spricht, ist das wie eine kleine Erinnerung daran, dass Beweglichkeit nicht nur vom Dehnen kommt, sondern auch davon, dass der Körper ein intelligentes RĂŒckstell-System hat. Nicht alles muss âgezogenâ werden â manches darf mit Geduld nachgeben, bis der Körper merkt: Ah, sicher. Ich kann loslassen. Und der Effekt des lange Haltens der Yogaposition mit Muskelanspannung.
Yoga-Transfer:
- Mehr Pausen zwischen intensiven Sequenzen (die Muskeln lieben das).
- Yin/Restorative als legitimer Bestandteil, nicht als âDessertâ mit Aktivieren der Muskeltitine: Titinyoga
Kapitel 5: Das Gehirn
Im Gehirnkapitel wirdâs besonders spannend, weil Enders hier offenbar ausfĂŒhrlich ĂŒber Schlaf schreibt â inklusive einer relativ jungen Forschungsidee: Reinigungsprozesse im Tiefschlaf (im DLF-Text âgliamphatische Auswaschungâ genannt).
Man liest das und denkt automatisch: Okay. Vielleicht ist ânur noch eine Folgeâ doch nicht die heiligste Abendpraxis.
AuĂerdem öffnet dieses Kapitel eine TĂŒr zu einem Thema, das viele beschĂ€ftigt: Selbststeuerung. Nicht im Sinne von âReiĂ dich zusammenâ, sondern eher:
Wenn ich die Mechanismen verstehe, kann ich freundlicher (und wirksamer) mit mir umgehen. Genau das wird in der Besprechung als Grundhaltung sichtbar.
Yoga-Transfer:
Schlaf als Praxis (ja, ernsthaft).
Kurze Abendroutine: Bildschirm aus, 5 Minuten ruhige Atmung, dann erst ZĂ€hne putzen. Gehirn liebt Rituale.
đ§ââïž Verbindungen zu Yoga, Atem & Achtsamkeit
Im engeren Sinne ist Organisch kein Yoga- oder Meditationbuch â sie liefert keine klassischen Yoga-Sequenzen, Atempraktiken oder Meditationsanleitungen. Es geht vielmehr darum, unseren Körper als lebendiges, ganzheitliches System zu begreifen.
- đ« Atem und Lunge: Ein ganzes Kapitel widmet sich der Lunge und dem Atmen â wie sie funktioniert, wie sie mit Stress, Ruhe und Bewegung in Verbindung steht und warum die Art, wie wir atmen, direkten Einfluss auf unsere Körpersysteme hat. Dieses Wissen lĂ€sst sich perfekt mit AtemĂŒbungen (Pranayama) koppeln.
- đ§ Bewusstsein & Regulierung: Enders lĂ€dt dazu ein, Körpersignale bewusst wahrzunehmen statt zu ĂŒbergehen â ein Ansatz, der Meditation und Body-Awareness sehr nahe kommt.
- đ± Rhythmus & Pause: Sie erklĂ€rt, warum unser Körper natĂŒrliche Zyklen hat und wie sehr wir von Rhythmus, Erholung und bewussten Pausen profitieren â ein Thema, das gerade im Yoga und ganzheitlichen Lebensstil groĂe Bedeutung hat.
Mein Fazit zum Buch von Giulia Enders
âOrganischâ ist fĂŒr mich ein Buch, das Wissenschaft nicht als Fernbedienung verkauft (âdrĂŒck hier, dann funktioniert der Körperâ), sondern als Beziehungspflege: Verstehen â Respekt â bessere Entscheidungen.
Mir gefÀllt an dem Buch:
- sehr gut lesbar, erzÀhlerisch, motivierend
- kluger Perspektivwechsel: Körper als Lehrmeister, nicht als Maschine
- starke Themenauswahl: fĂŒnf Organe, fĂŒnf BedĂŒrfnisse
- viele Aha-Momente fĂŒr Yoginis/Yogis, obwohl es kein Yogabuch ist
Kleiner Hinweis:
Wer knallharte â10 Biohacksâ erwartet, wird enttĂ€uscht. Das Buch will eher Verstehen und Beziehung â und das ist (finde ich) die bessere WĂ€hrung. Ein wirklich ausgezeichnetes Buch
Meine Buchbewertung

Mehr im Internet:
Wikipedia Eintrag zu Giulia Enders



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